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Als Denis noch ein kleiner Junge war, glaubte er,
Hunde könnten Dinge hören, die für Menschen
unsichtbar blieben.
Seine Mutter lächelte dann immer und sagte:
“ Vieleicht hören sie nicht mehr –
vieleicht hören sie nur anders.“
Viele Jahre später, längst erwachsen, zog Denis mit
seiner Mutter in ein kleines Haus am Rande der Stadt.
Dort begegnete er ihm : einem großen, grauen Mischling
mit klugen Augen und einem Fell, das aussah, als
hätte der Wind selbst es zerzaust.
Der Hund trug kein Halsband, aber er trug eine
Ruhe in sich, die Denis sofort berührte.
Der Hund kam nicht näher, aber wich auch nicht zurück.
Er stand einfach da, als würde er sagen: Ich bin hier.
Und du bist es auch.
Das reicht ersteinmal.
Denis setzte sich auf eine Bank, und der Hund
legte sich in respektvollen Abstand ins Gras.
So begann es – ohne Worte, ohne Besitzanspruch,
ohne Versprechen.
Tag für Tag trafen sie sich.
Denis brachte ihm Wasser, und manchmal ein Stück
Wurst und Knochen, manchmal auch
nur seine Gesellschaft.
Der Hund nahm alles an, aber nie gierig.
Er schien zu wissen, dass Freundschaft nicht
im Füttern lag, sondern im Bleiben.
Eines Abends als der Wind durch die Bäume strich,
hob der Hund plötzlich den Kopf.
Seine Ohren stellten sich auf, sein Körper spannte sich,
als lauschte er etwas, das Denis nicht hören konnte.
Dann stand er auf, ging zu Denis, legte ihm die Schnauze
kurz an die Hand – ein seltener, fast feierlicher Moment –
und lief davon, ohne sich umzudrehen.
Denis sah ihm nach, bis der graue Schatten
im Dunkeln verschwand.
Er kam nie wieder zurück.
Doch manchmal wenn Denis am Rande der Stadt
auf der Bank sitzt und der wind durch die Zweige
fährt, meint er, ein leises Trappeln zu hören.
Kein Geräusch, das man beweisen könnte.
Eher ein Gefühl, eine Erinnerung,
die mit vier Pfoten ging,
aber im Herzen blieb.
Und Denis denkt dann:
Vieleicht hören Hunde wirklich mehr.
Oder vieleicht hören sie nur anders.
Aber sie hören immer das Wesentliche.
DS.BS. 31.01. 2026