Zufällige Bekanntschaft

Wir liefen Island, die kleine Insel im Nordatlantik, an.
Als wir auf Reykjavik zusteuerten, stand ich als einziger der Besatzung an Deck.
Es faszinierte mich, wie greifbar nah die Hauptstadt des Inselstaates
vor mir lag.
Auch war es kein Hafen, wie ich ihn kannte.
Alles wirkte einfacher, übersichtlicher.
Von unserem Liegeplatz führte direkt eine Straße in die Stadt hinein.

Als ich so der Reling stand und auf die Stadt schaute, rief mich
vom Kai jemand an.
Eine Frau kam zum Schiff.
Hallo!
Kommen Sie aus Deutschland?, rief sie mir zu.
Ich war überrascht darüber, dass mich auf Island jemand auf Deutsch ansprach.
Was sollte ich ihr antworten!
Dass ich aus der DDR komme?
Konnte sie damit überhaupt etwas anfangen?
Sie kam mir jedoch zuvor.
Ich stamme auch aus Deutschland, Hamburg.
Kennen Sie Hamburg?
Ich nickte.
Was sollte ich ihr antworten!
Aber schon fragte sie weiter.
Sind Sie zum ersten Mal in Reykjavik?
Ja, ich bin zum ersten Mal hier, rief ich und zeigte dabei auf mich.
Langsam macht mir die Sache Spaß.
Neugierig geworden, fragte ich zurück:
Und Sie, wie kommen Sie hier her?
Mein Mann ist Isländer!
Ich lebe schon über 10 Jahre auf dieser Insel.
Die Frau gefiel mir, sie wirkte natürlich, doch was suchte sie hier im Hafen allein?
Ehe ich mir darüber im klaren war, machte sie mir einen Vorschlag:
Wissen Sie was?
Ich zeige Ihnen Reykjavik, wenn Sie Zeit haben …
Ich war überrascht.
Doch das Angebot schien verlockend.
Ich würde die isländische Hauptstadt kennen lernen wie kein anderer auf unserem Schiff.
Sie winkte mir zu.
Ich werde in einer Stunde etwa wieder kommen.
Passt Ihnen das?
Wenn es bis dahin Landgang gibt, können Sie mir Ihre Stadt zeigen.
Wir treffen uns hier am Kai wieder.
Sie stieg in ihr Auto und fuhr davon.
Ich sah ihr nach, bis sie in Reykjaviks Straßen verschwunden war.
Nun hatte ich es eilig unter Deck zu kommen,
Reykjavik wartete auf mich.