10 Februar 2026

Humor gegen fades Essen im Wohnheim ………

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Das Mittagessen kam, heute wieder angeschlichen,

als hätte es Angst vor mir.

Ich sagte: Keine Sorge,

ich tu dir nichts.

Ich esse dich ja nicht!

Da hat es erleichtert aufgeatmet

und blieb einfach geschmacklos.

—–

Der Koch behauptet,

das Essen im Wohnheim sei

„bodenbeständig“.

Ich glaube, er meint:

Es bleibt am Boden stehen

und traut sich nicht auf den Teller.

Ich hab’s dann doch probiert.

Es hätte lieber weg bleiben sollen.

—–

Heute lag etwas auf meinem Teller,

dass aussah wie ein Rätzel.

Ich habe es vorsichtig angeschupst.

Es hat aber nicht darauf reagiert,

da wusste ich:

Das ist keine Mahlzeit,

das ist ein stiller Protest.

—–

Die Suppe sollte heute wieder dünn sein.

Ich sagte: “ Kind ,

du musst dich nicht verstecken.

Hier merkt sowieso keiner,

was du Geschmack nennst.

Da wurde sie rot –

aber nicht vor Scham.

 

Der Nachtisch kam mit großer Geste,

als wäre er ein Star.

Leiter schmeckte er, nur nach Wasser

der Bauer hatte es vergessen,

die Milch an das  Wohnheim zu liefern.

—–

Im Speisesaal fragte mich, ein älterer Mitbewohner

wie das Essen heute sei.

Ich antwortete:

„Ach,

es ist wie ein schlechter Witz.

Man lacht nicht –

aber man erzählt ihn nicht weiter.

Da nickten alle Mitbewohner zustimmend.

DS. BS. 10.02.2026

,

20 Januar 2026

Der Mann, der wieder Schritte fand ….

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Der Wind war wieder kühl an diesem Morgen,

aber er tat gut.

Er war ehrlich.

Kein künstlicher Duft, kein abgestandener Flur –

nur frische Luft, die sagte:

Du lebst noch.

Er stand einen Moment still, spürte den Boden unter

den Füßen und erinnerte sich daran, wie weit dieser

Weg gewesen war.

Nicht der Weg nach draußen –

der Weg zurück in eigene Leben.

Vor einem Jahr hatte er sich ein Ziel gesetzt,

das fast zu groß wirkte:

Bis Weihnachten wieder selbständig zu laufen,

selbstständig auf die Tiolette gehen zu können.

Nicht schön, nicht schnell, nicht wie früher –

aber aus eigener Kraft.

Und er hatte es geschafft.

Nicht durch glück, sondern durch eigenen,

eisernen Willen, der in ihm wohnte wie ein alter Freund,

der nie ganz Verschwand. (Sohn Denny)

Die ersten Schritte wacklig gewesen, die Tage danach schwer.

Aber er war gegangen. Immer wieder.

Mal mit Zorn mal mit Hoffnung, mal einfach nur,

weil Aufgeben keine Option war.

Die Natur half ihn – die frische Luft, die Bäume,

das Licht

das Ringgleis, sie sprachen ihre eigene Sprache,

die er verstand:

Mach weiter langsam ist auch ein Tempo.

Heute ging er wieder hinaus.

Nicht weil er musste, weil er konnte. ( Rollator )

Es war nicht mehr wie früher, das wusste er,

Aber es war genug, um Stolz auf sich zu sein.

Genug um zu spüren, das sein Körper noch genug Willen hatte.

Genug um zu merken, dass er sich ein Stück

Freiheit zurück erobert hatte.

DS.BS. 20.01.2026