Der Fuchs, der lesen lernte.
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Aus meiner Reihe:
Reise durch das Tiereich
Der Fuchs, der lesen lernte.
Im Park hinter der alten Bibliothek lebte ein Fuchs,
der eine merkwürdige Angewohnheit hatte:
Er setzte sich jeden Abend auf dieselbe Bank,
genau dann, wenn die letzten Besucher das Gebäude verließen.
Eines Tages viel ein dünnes,
zerlesenes Buch aus seiner Tasche.
Der Fuchs schubberte daran,
als wäre es
ein besonderes seltenes Stück Beute.
Dann legte er den Kopf schief, als würde er überlegen,
wie man so etwas eigendlich benutzt.
Er schlug das Buch mit der Pfote auf.
Die Seiten raschelten wie Herbstlaub.
Der Fuchs blinzelte und blieb sitzen.
Er verstand natürlich kein einziges Wort.
Aber er spürte etwas:
diese seltsame Ruhe,
die von Geschichten ausgeht,
dieses kleine Ziehen im Bauch,
als würde jemand sagen:
“ Komm,
ich zeige dir einen andere Welt.“
Von diesem Abend an kam der Fuchs jeden Tag zurück.
Er konnte nicht lesen,
aber er lauschte den Seiten,
als hätten sie eine Stimme.
Und manchmal,
wenn jemand spät vorbeiging,
sah er den Fuchs dort sitzen – still,
aufmerksam,
als wäre er der heimliche Wächter
aller Geschichten.
DS.BS.13.03.2026
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