Der Mann, der wieder Schritte fand ….
Views: 0
Der Wind war wieder kühl an diesem Morgen,
aber er tat gut.
Er war ehrlich.
Kein künstlicher Duft, kein abgestandener Flur –
nur frische Luft, die sagte:
Du lebst noch.
Er stand einen Moment still, spürte den Boden unter
den Füßen und erinnerte sich daran, wie weit dieser
Weg gewesen war.
Nicht der Weg nach draußen –
der Weg zurück in eigene Leben.
Vor einem Jahr hatte er sich ein Ziel gesetzt,
das fast zu groß wirkte:
Bis Weihnachten wieder selbständig zu laufen,
selbstständig auf die Tiolette gehen zu können.
Nicht schön, nicht schnell, nicht wie früher –
aber aus eigener Kraft.
Und er hatte es geschafft.
Nicht durch glück, sondern durch eigenen,
eisernen Willen, der in ihm wohnte wie ein alter Freund,
der nie ganz Verschwand. (Sohn Denny)
Die ersten Schritte wacklig gewesen, die Tage danach schwer.
Aber er war gegangen. Immer wieder.
Mal mit Zorn mal mit Hoffnung, mal einfach nur,
weil Aufgeben keine Option war.
Die Natur half ihn – die frische Luft, die Bäume,
das Licht
das Ringgleis, sie sprachen ihre eigene Sprache,
die er verstand:
Mach weiter langsam ist auch ein Tempo.
Heute ging er wieder hinaus.
Nicht weil er musste, weil er konnte. ( Rollator )
Es war nicht mehr wie früher, das wusste er,
Aber es war genug, um Stolz auf sich zu sein.
Genug um zu spüren, das sein Körper noch genug Willen hatte.
Genug um zu merken, dass er sich ein Stück
Freiheit zurück erobert hatte.
DS.BS. 20.01.2026